Kuschelpartys für Absolute Beginners. Ist das was?

„Mein Name ist Klaus Schorn,

ich arbeite als Coach und Heilpraktiker für Psychotherapie in Offenburg. Im Lauf der letzten Jahre hat sich dabei die Arbeit mit Absolute Beginners zu einem Schwerpunkt entwickelt. Ich hatte selbst bis zum 24. Lebensjahr keinerlei Erfolg bei der Partnersuche und weiß noch sehr gut, wie sich das anfühlt. Zur Einsamkeit, die ja fast alle Menschen zeitweise erleben, kommt bei ABs vor allem die Frage der Perspektive hinzu: Unsere gesellschaftlichen Rollenbilder sind bis heute erstaunlich konventionell. Sie setzen Beziehungserfahrungen einfach voraus, die ABs noch nicht gemacht haben. 'Ohne Passwort darfst du nicht rein. Bekommen kann man das Passwort aber nur drinnen.' Eine ziemlich absurde Situation. Deshalb erarbeite ich mit meinen Klienten Wege, wie sie trotzdem ins Spiel kommen können.

Etwas, was ich dabei als sehr hilfreich erlebt habe, ist die Kuschelparty. Ich hab selbst einige Zeit eine in Offenburg geleitet. Inzwischen verweise ich Menschen, die Interesse haben, an meine Kolleginnen in Freiburg und Karlsruhe.

Worum geht es bei einer Kuschelparty? Die Idee dahinter ist, dass die meisten von uns Berührungen brauchen. Viele haben aber kaum Gelegenheiten dazu. Vielleicht mag der Partner nicht so viel Nähe wie man selbst. Oder es gibt gar keinen Partner, keine Partnerin. Auch unter Freunden und innerhalb der Familie sind Berührungen nicht selbstverständlich. Oft bleibt nur der Sex. Da geht es auch um Berührungen, aber er ist enorm aufwändig: man muss jemanden verführen (oder bezahlen), sich um Hygiene, Verhütung, Sicherheit und nicht zuletzt einen Ort kümmern. Man muss abwägen, wie weit das Herz dabei ist und ob beide Beteiligten sich darin einig sind. Und oft schleichen sich auch Versagensängste und Scham mit ins Bett. Wie gesagt, Sex ist aufwändig.

Bei der Kuschelparty gibt es einen Ort und einen festen Zeitpunkt, wo sich Menschen treffen, die mehr Nähe möchten. Sex gibt es da nicht, da passen die Leiter auf. Die Kleidung bleibt an, die Bikinizone wird nicht berührt. Sehr sinnlich werden kann es trotzdem. Oder vielleicht grade weil Sex tabu ist. Ich kann mich völlig auf den Moment konzentrieren und schauen, welche Art von Berührung, und wie viel Nähe mir grade gut tut. Ohne Angst, ohne Scham, ohne Risiko. Es gibt keine Berührungen ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Jeder Teilnehmer darf jederzeit 'nein' sagen, das üben auch alle zu Beginn. Wem die Nähe zwischendurch zu viel wird, der kann sich jederzeit im Raum zurück ziehen, dafür gibt es eine extra Auszeit-Matte. Und wer das Gefühl hat, dass das alles doch nicht das Richtige ist, kann auch jederzeit gehen.

Natürlich ist das ein sehr besonderes Setting. Die Vorstellung, fremde Menschen in den Arm zu nehmen oder zu streicheln, ist vielen erst mal fremd. Hier ist es die Aufgabe des Leitungsteams, die Teilnehmer auf der Alltagsebene abzuholen und ganz entspannt zunächst in die eigene Körperwahrnehmung zu führen, und dann in kleinen Schritten in den Kontakt mit anderen. Das Erstaunliche dabei ist, wie leicht das geht. Immer wieder bekamen wir am Ende der Veranstaltung die Rückmeldung, dass sich die Kuschelparty viel natürlicher angefühlt hat als das sogenannte 'richtige Leben'. Das Merkwürdige ist gar nicht die Nähe bei der Kuschelparty, sondern die Distanz im Alltag!
Deshalb braucht man zu einer Kuschelparty auch überhaupt nichts mitbringen außer bequemer Kleidung und Respekt gegenüber anderen Menschen. Man muss nichts können, keinerlei Vorerfahrungen mitbringen. Das heißt, man kann auch nicht versagen. Es kommt schon vor, dass Teilnehmer noch vor Beginn oder gleich am Anfang der Veranstaltung wieder gehen, weil die eigene Aufregung doch zu groß ist. Das ist dann völlig in Ordnung. Sobald die Menschen in Kontakt gekommen sind, legt sich die Aufregung fast immer und  tiefe Entspannung, Gelassenheit und Dankbarkeit machen sich breit.

Wie läuft so eine Kuschelparty ab? Eine Kuschelparty dauert meist etwa drei Stunden. In der ersten Stunde kommen die Teilnehmer erst mal an, alle stellen sich kurz vor. Das Leitungsteam erklärt die Regeln (kein Sex, um Erlaubnis fragen etc.) und führt die Teilnehmer in den Kontakt. Oft gibt es dann eine kleine Pause. Danach dürfen die Leute kuscheln wie sie mögen.
Die Teilnehmer kommen aus allen Altersgruppen und Schichten, im Schnitt etwa so viel Frauen wie Männer. Es spielt auch überhaupt keine Rolle, ob man mit Frau oder Mann, mit alt oder jung kuschelt. Die Einstufungen des Alltags braucht es hier nicht. Es geht ja nur um den Moment, und da sind wir alle schlicht Menschen. Das so unmittelbar zu erleben, kann eine unglaublich tiefe und heilsame Erfahrung sein!

Sind Absolute Beginners bei einer Kuschelparty gut aufgehoben? Ich würde sagen, so gut wie jeder andere Mensch. Einen zusätzlichen Nutzen gerade für ABs sehe ich darin, dass die Kuschelparty auch eine Möglichkeit bietet, Erfahrungen zu sammeln, die bisher vielleicht noch fehlen. Man kann üben, in Kontakt zu gehen und sich wieder daraus zurück zu ziehen. Man kann erleben, wie sich sanfte Berührungen anfühlen, ohne vorher jemanden erobern zu müssen. Ohne die Angst, sich hinterher im Bett beweisen oder als AB outen zu müssen. Und nervös sind am Anfang einer Kuschelparty sowieso alle ein bisschen, da fällt ein AB  überhaupt nicht auf. Am besten einfach mal ausprobieren! Die Wahrscheinlichkeit, Sex und/oder eine Beziehung zu haben, steigt jedenfalls rapide, wenn man gelernt hat, auch nichtsexuell zu berühren.

Wer Berührungen jedoch überhaupt nicht mag und sich auch nicht danach sehnt, darf ruhig dazu stehen und das Standard-Partnerschafts-Klischee sein lassen. Da gibt es dann auch andere Formen von Nähe.

Liebe Grüße, Klaus Schorn“

http://www.schorn-coaching.de